SYSTEMIX RELOADED 2024

Die Organisation der Gefühle. Wertschätzung, Angst und Vertrauen in Organisationen.

Jubiläumstagung des zsfb, vom 18.-19. Oktober 2024

Den Glauben, die Vernunft müsse und könne unsere Leidenschaften oder Affekte zügeln und lenken, um ethisch richtig zu handeln, haben die Griechen in die Welt gesetzt. Diesem Gedanken ging die Einsicht in die Wechselwirkungen zwischen Denken und Fühlen voraus. Obwohl wir wissen, dass rationale Entscheidungen emotional geprägt sind, setzen wir großes Vertrauen in die Macht der Vernunft. Aktuelle Diskurse lassen jedoch erkennen, dass deren Kraft schwindet, wenn sie systematisch und manipulativ affektiv unterspült wird.

Es ist offensichtlich, dass sachgerechte Information allein (der Traum der Aufklärung) ohne emotionalisierende Komponente wenig bewirken kann. Gefühle sind Triebkräfte menschlichen Denkens und Handelns und können beim Einzelnen wie bei Kollektiven ungeahnte Energien freisetzen oder lähmen (wie im Falle von Angst). „Sage mir, was Du denkst, und ich sage Dir, was Du fühlst“ bringt den Zusammenhang zwischen Kognition und Emotion auf den Punkt. Denkwelten sind immer auch Gefühlswelten und umgekehrt. Organisationen organisieren jene Gefühle, die in ihnen erlebt werden und werden wiederum von Gefühlen organisiert. Wie schaffen sie das?

Wer in verschiedenen Organisationen gearbeitet hat, weiß, wie spezifische Leitgefühle (wie Angst oder Vertrauen) vorherrschende Denk- und Handlungsweisen prägen und individuelles wie kollektives Erleben formen. Da Emotionen Katalysatoren sind, die dem Denken das Handeln ermöglichen, ist es höchst vernünftig, mit dem Unvernünftigen zu rechnen.

Wir stimmen also keinen Schwanengesang der Vernunft an, sondern werden gemeinsam mit renommierten Experten den Blick auf die Dialektik von Affekten und Rationalitäten in Organisationen richten. Dabei wollen wir ergründen, welche Funktionen Wertschätzung, Angst oder Vertrauen für Organisationen haben und wie sie auf die individuelle und/oder kollektive Leistungsbereitschaft und Identifikation mit der Organisation wirken.

Im Rahmen der Veranstaltung werden wir die Ergebnisse unserer explorativen Studie zu wertschätzender Führung vorstellen und daraus ableiten, was für die Beratung oder Führung erfolgreicher Organisationen zu beachten ist.

Fragen, die in Impulsvorträgen, Workshops und dialogischen Settings gestellt, diskutiert und beantwortet werden, sind:

  • Wie hängen Wir-Intentionalität und Wir-Gefühle zusammen? Welche Rolle spielen sie für die Denk- und Gefühlswelten einer Organisation?

  • Wie können Organisationen identitätsstiftende Vorstellungen entwickeln, die ein Wir-Gefühl erzeugen, das die beteiligten Menschen motiviert und trägt?

  • Wie können Ängste, – die in Übergängen und anderen krisenhaften Prozessen entstehen, – reduziert und ins Positive gewendet werden?

  • Welche Effekte hat eine wertschätzende Führungskultur auf die Organisation? Wie beeinflusst wertschätzende Führung das Vertrauen in die Führung und die Identifikation mit der Organisation?

  • Wie lässt sich eine organisationale Mentalität stiften, die keine Zukunftsängste generiert, sondern offen und neugierig gegenüber Veränderung und Entwicklung ist?

  • Wie beeinflussen Wertschätzung, Angst oder Vertrauen die dominierende Mentalität/den Denkstil in Organisationen?

Anna Wendling